14. Juni 2016 |  Außenpolitik, DIE LINKE

         

Das Problem heißt Hass – die Lösung Solidarität 

Erklärung des fds-Bundesvorstandes zum Anschlag in Orlando

„Das Forum Demokratischer Sozialismus der Partei DIE LINKE trauert mit den Angehörigen und Freund*innen um die Opfer der menschenverachtenden Hasstat in Orlando (USA), bei der in der Nacht von Samstag zu Sonntag mehr als 100 Menschen getötet oder zum Teil schwer verletzt wurden.

Wir solidarisieren uns mit allen, die angesichts des Mordes an mindestens 49 Menschen der LGBTI-Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender/Transsexual and Intersexed) in Orlando gegen Hass und Gewalt argumentieren und politische Lösungen einfordern – ob auf der Straße oder in politischer Verantwortung.
Angesichts der vielfältigen Kommentare, auch aus Teilen der eigenen Partei, die sich jetzt in mehr oder weniger offenem Antiamerikanismus auf die US-amerikanischen Waffengesetze als vermeintlichen Hauptgrund für das Massaker von Orlando stürzen, sehen wir uns veranlasst, für das fds klarzustellen:

Wir sehen in dem Hass auf alternative Lebensentwürfe, auf LGBTI-Personen und eine emanzipierte freiheitliche Gemeinschaft den Grund für das Verbrechen am Wochenende. Ein Hass, der sich im Falle des mutmaßlichen Täters wohl auch in religösem Fanatisimus äußerte und den menschenverachtende Institutionen wie der so genannte Islamische Staat für die eigene Propaganda zu nutzen versuchen.
In dieses Bild passen auch die Pressemeldungen, die den Imam des mutmaßlichen Todesschützen in die Anhängerschaft des republikanischen Spitzenkandidaten Donald Trump rücken, dessen Kampagne einzig auf dem Schüren von Hass, der Fehlinformation der Öffentlichkeit und auf gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beruht.

Hasstaten gegen LGBTI-Personen und -Gemeinschaften sind genauso wenig ein Problem der USA, wie sie einer religiösen Motivation bedürfen.
Die eklatante wachsende gesellschaftliche und soziale Spaltung des Landes im amerikanischen Vorwahlkampf und die scharf zu kritisierende und von uns abgelehnte Waffengesetzgebung der USA haben ihren Teil zu der unfassbaren Tat beigetragen. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass Hass gegen Schwule, Lesben, Bi-, Trans- und Interpersonen auch in Europa und auch in Deutschland immer noch an der Tagesordnung sind. So ist zum Beispiel die ukrainische Pride-Bewegung erst kürzlich von rechtsradikalen Gruppierungen bedroht worden.

Wir solidarisieren uns daher mit allen Menschen, die – wie z.B. am Sonntag in Kiew – gegen den offenen alltäglichen Hass auf die Vielfalt der Lebensentwürfe auf die Straße gehen, Zeichen setzen und friedlich, aber bestimmt gegen die Täter angehen.
Wir sind viele. Wir sind bunt. Gemeinsam können wir den Hass besiegen, egal wo auf der Welt. Gegen jeden Homohass! Gegen jeden Menschenhass! Dafür steht auch das fds.“

Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Berliner Abgeordneten Klaus Lederer undHakan Tas, sowie den Mitgliedern des fds bedanken, die heute in Berlin vor der US-amerikanischen Botschaft der Opfer von Orlando gedachten und Blumen niederlegten.
Auch möchten wir dem Obmann im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages, Stefan Liebich, für seine heutige Stellungnahme danken. In dieser stellt er fest:
„Es ist ein absoluter Alptraum, was in Orlando passiert ist. Das zielgerichtete und planmäßige Morden in einem bekannten Treff für Schwule und Lesben ist auch das Ergebnis einer unheilvollen Mischung von laxen Waffengesetzen, religiösem Fanatismus und Minderheitenhass in den USA.
Homosexuelle sind weltweit noch immer das Ziel von Verfolgung und Ausgrenzung. Die nun einsetzende Debatte spiegelt die ganze Zerrissenheit der US-amerikanischen Gesellschaft. Es ist widerlich, wie der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump dieses tragische Ereignis für seinen Wahlkampf instrumentalisiert.“

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